STATEMENTS

I. Gehen. Die Suche nach meinen Bildinhalten findet zu Fuß statt, und zwar auf Reisen, die mich in möglichst abgelegene, der Bewegung in der Zeit unterworfene Landschaften führen. Die Faszination gilt also einer Haltung, der Konzentration, der Erregung zu Fuß eine Landschaft über mehrere Wochen durchqueren zu müssen und die damit einhergehende Wahrnehmungsveränderung von Zeit und Raum. Beim Gehen suche ich das Zerbrechliche, unter meinen Füßen zerbricht unmerklich eine Welt.

II. Karten. Wie soll man eine Landschaft, die keine Oberflächenunterscheidungen wie Wälder oder menschliche Siedlungen mit ihren Feldern und Abgrenzungen kennt noch darstellen als einzig durch diese Linien, die jene Höhenrücken anzeigen, welche sich dem Auge als Horizont anbieten. Aber in diesen Linien stecken andererseits die Erwartungen des Reisenden.

III. Erinnerung. Die s/w Photographien ermöglichen mir jene Abstraktion, um mich diesem Verfall, der Auflösung jener Landschaften zu nähern; wobei Unschärfe, Dunkelheit oder im Gegensatz Helligkeit in den Photographien den Raum erst nach langem Betrachten beschreiben. Im Allgemeinen vermeide ich es den Horizont einzubeziehen, der dem Auge als Anhaltspunkt dienen könnte. Meine Landschaften sind abgeschlossen, ruhen scheinbar und sind trotzdem in andauernder Bewegung.

Michael Höpfner

 

 

 

aus der Serie: Alternative Trail, s/w Photographie, 90x170cm, 2003
Bzw. 125x125cm, 2003

 

Michael Höpfners Photoarbeiten lassen sich aus dem Hintergrund einer bewußten Transformation des „im Fluss“ Gesehenen in eine „Distanz“ und Immobilität der Photographie charakterisieren. Um diesen Ansatz besser verstehen zu können, sind zwei Aspekte der photographischen Bildgewinnung zu berücksichtigen:

1. Das Filtern des Motives und die Kristallisation von Bildinhalten aus einem GEHEN über Tage und Wochen in ausgewählten Landschaften. Das Gehen übernimmt dabei die Funktion einer Wahrnehmungstransformation: Relativierung von Zeit und Distanz, Aufhebung sogenannter normaler Empfindungszustände und körperlicher Verfassungen durch den am Gehen eingeholten Rythmus des Bewegens und durch äussere Einflüsse wie Regen, Kälte, Wind, etc., Translation von Grenzen, die sich aus Erfahrungen festlegen, fixieren und in Gedanken festhaken usw. Das Freiwerden von quasi bestimmenden Normalitäten setzt Wahrnehmungsanomalien in Gang.

2. Dieses in Gang bringen von veränderten Wahrnehmungszuständen und -inhalten wird begleitet und vorbereitet vom Motiv der KARTE (MAP). Die Karte steht in einem Gegensatz zum Konkreten der Landschaft, drückt Information wie Sehnsucht auf einer quasi abstrakten Ebene aus, ist Landschaft in abstracto. Mit der Karte verbinden sich Fragen wie „ wie soll man eine Landschaft darstellen, die keine Oberflächenunterscheidungen wie menschliche Siedlungen mit ihren Straßen und Feldern kennt?“ (Michael Höpfner). Die Karte fungiert als „verborgenes Prinzip“ (Deleuze/Guattari) der Landschaft, das einerseits im Gehen erst erschlossen wird und andererseits Gehen orientiert. Die Gestaltung von Karten als „ verborgenes Prinzip“ auf Wänden kommt neben den Photographien eine eminente Bedeutung zu.
Neben diesen Aspekten spielt thematisch ENTGRENZUNG bewußt in die Wahl des Motivs hinein: Kein Horizont der dem Auge als Anhaltspunkt dienen und Größenordnungen erfahrbar machen könnte. Dadurch hebt sich das photographische Bild (als Resultat) von der bloß „abbildenden“ Leistung des Photoapparates aus der quasi genormten Bildstruktur ab und entgrenzt sie. Vielmehr ist es „ die Erinnerung an den Akt des Vorübergehens“, als etwas an sich Unbegreifliches und scheinbar Vages, das ins Bild gerinnt.

Ingo Nussbaumer

 

 

Aus der Serie „Unfinished Valley“, s/w Photographie, 70x125cm, 2001

 

 

ausstellungsansicht, Sieben, Volpinum - Sammlung Fuchs Wien, 2001

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Michael Höpfner

geb. 1972 Krems/ Donau
Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien ( Malerei und Grafik) und der Glasgow School of Art (Fine Art Photography)

2000 Stipendium der Fohn Stiftung Wien für Nepalreiseprojekt „50 Tage gehen“
Reisen zu Fuß in Indien, Ladhak, Nepal, Tibet, China, Südkorea, Schottland, Island, Nordspanien, Pyrenäen, Alpen, Nordafrika
Organisation des Table Ronde während der Biennale Dakar, Senegal,

2002 Mitarbeit am Projekt „Transfer Damaskus“, Institut für Kunst und Wissenstransfer, Universität für angewandte Kunst, Wien 2002/2003 bzw. am Folgeprojekt in der libyschen Sahara 2003

 

Einzelausstellungen

2002 alternative trail, Galerie Hubert Winter, Wien
2001 Unfinished Valley, Galerie Stadtpark, Krems

 

Ausstellungsbeteiligungen

2003 Walking Rhetorics, Galerie Hubert Winter, Wien
9 aus Wien9, Galerie Steinek, Steinek Halle, Wien
landschaft, nexus art consulting, Wien


2002 Monumental, Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck
current settings, Kunstverein Hallein
Parabase Now, Galerie Stadtpark, Krems
Nine Dragon Heads International Art Symposium, Seoul, South Korea
Workshop table ronde, Dakar, Senegal


2001 Rolling Stones Adorned with Starlight, Galerie Hubert Winter, Wien
MP – MQ, Galerie Hubert Winter, Wien
Sieben, Volpinum - Sammlung Fuchs Wien


2000 Museum in Progress, Transact
Fernlust – Heimatweh, Galerie Hubert Winter, Wien


1999 Institut für Gegenwartskunst, Akademie der bildenden Künste, Wien
Metronome Magazin, Clementine Deliss, Artikel mit Hamish Fulton


1998 Pure Photography, Street Level Gallery Glasgow
Drawingsound, Installation mit dem isländischen Künstler Hilmar Bjarnasson, Prospekthof Semper Depot, Wien


1997
In the Ring, Semper Depot Wien